Vorträge
Vorträge im Wintersemester 2026/2027
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 18 Uhr
Universität Wien, Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie, 1190 Wien, Franz Klein-Gasse 1, 3. Stock, Hörsaal 7 (hybrid)
Márta Vizi (Szekszárd)
Ein mittelalterlicher Marktflecken in Ungarn: Decs-Ete
Das mittelalterliche Ete befindet sich in der Region Sárköz, im Komitat Tolna, südlich der Stadt Szekszárd. Der günstigen Lage war es zu verdanken, dass Ete sich im Laufe des Mittelalters zu einem der größten und bedeutendsten Marktflecken der Region Sárköz entwickelte. Die urkundlichen Angaben über den Marktflecken wurden vom József Holub bearbeitet. Die erste Angabe in Bezug auf den Eigentümer der Siedlung stammt aus dem Jahr 1398. Diese Daten bedeuten aber nicht, dass die Siedlung erst im 14. Jh. errichtet wurde. Die Funde deuten darauf hin, dass Ete bereits von der Frühen Arpadenzeit, d.h. im 10.–11. Jh. existierte. Um 1600 wurde die Stadt zerstört und aufgegeben. Seit über 200 Jahren wird zur Geschichte der Stadt gearbeitet. Seit 1996 erfolgen die Forschungen zum Marktflecken Decs-Ete unter der Leitung von Dr. Zsuzsa Miklós (2014 verstorben) und der Vortragenden, die komplexe Untersuchungen, wie geodätische Aufnahme, intensive Geländebegehungen, Ausgrabungen, Luftaufnahmen, usw. umfassen. Darüber sowie über die wichtigsten Befunde, wie die Kirche, die Häuser und die Funde, darunter Ofenkacheln, wird der Vortrag einen Überblick bieten.
Dr. Márta Vizi PhD (Szekszárd) ist seit 1994 Archäologin am Wosinsky Mór Múzeum in Szekszárd (Ungarn). Sie studierte Geschichte, russische Literatur und Archäologie an der József Attila Universität in Szeged sowie deutsche Literatur und Sprache an der Janus Pannonius Universität in Pécs. Von 1985–1994 arbeitete sie als Lehrerin am Bér Balogh Ádám Gymnasium in Tamási. Seit 1985 gehört sie zur Arbeitsgruppe zur archäologischen Erforschung der Burg Ozora (Projektleitung Prof. István Feld). Daraus erwuchs ihre 2002 an der Eötvös Loránd Universität Budapest abgeschlossene Dissertation zur neuzeitlichen Keramik aus dem Burgkastell Ozora. Nebst Grabungsleitungen, darunter Kirchengrabungen, stadtarchäologischen Projekten in Szekszárd und Denkmalpflegegrabungen im Zuge von Autobahnbau zeichnet sie für mehrere archäologische Ausstellungen (u.a. zur Burg Ozora, zur Geschichte des Komitats Tolna, zur Archäologie in und um Szegszárd) verantwortlich. Den zentralen Forschungsfokus der letzten Jahre bilden aber die Erforschung des Marktfleckens Decs-Ete sowie Ofenkacheln.
Livestream: https://univienna.zoom.us/j/65442927287?pwd=mEGdB5lMbv2McXO0SOJW5CmayaR0rE.1
Mittwoch, 11. November 2026, 18 Uhr c.t.
Universität Wien, Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie, 1190 Wien, Franz Klein-Gasse 1, 3. Stock, Hörsaal 7 (hybrid)
Mihailo St. Popović (Wien)
Historische Geographie neu denken: Eine Fallstudie zum Schloss Ebreichsdorf im niederösterreichischen Industrieviertel
Eine der großen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit besteht darin, wie historische und kulturhistorische Inhalte in Zeiten einer durch die Pandemie verstärkten Digitalisierung unter die lokale, breite Öffentlichkeit getragen werden können. Wie können entsprechende nachhaltige Kennenlern- und Lerneffekte in ihrem Rahmen erzielt werden, wenn es sich um lokales historisches Erbe handelt? Unser Untersuchungsobjekt ist das (Wasser-)Schloss Ebreichsdorf, das rund 60 km südöstlich der Landeshauptstadt St. Pölten im niederösterreichischen Industrieviertel liegt und sich seit 1909 im Privatbesitz der Familie Drasche-Wartinberg befindet. Die Ziele unseres Projekts spiegeln sich in zwei Forschungsfragen wider, die aufeinander aufbauen:
- Welche Rolle spielte die Burg (jetzt das Schloss) Ebreichsdorf in der Geschichte der Region vom 10. bis zum 16. Jahrhundert und wie sah die sie damals umgebende Landschaft aus?
- War die Burg Ebreichsdorf ein Bindeglied zwischen dem lateinischen Westen und dem byzantinischen Osten?
Im Falle der ersten Frage kommen neben umfassenden Archivrecherchen in Wien und St. Pölten, weil das Schlossarchiv mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde, Werkzeuge der digitalen Geisteswissenschaften und der Archäologie zur Anwendung (Stichworte: Surveys, LiDAR, GIS, Datenbanksysteme, Transkribus etc.). Durch eine Verschränkung der „klassischen“ Historischen Geographie und neuer Methoden soll die Vergangenheit der Region einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Doz. Mag. Dr. Mihailo St. Popović (Wien) Studium der Byzantinistik und Neogräzistik und Fächerkombination (Geschichte und Kultur Ost- und Südost-Europas, antike und mittelalterliche Numismatik, Mediävistik) an der Universität Wien (1996–2002). Seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), 2005 Abschluss des Doktorats, 2011 Habilitation an der Universität Wien zum im Fachbereich „Südosteuropäische Geschichte und Byzantinistik“. Seit 2016 Projektleiter für den Balkanraum des Langzeitprojekts Tabula Imperii Byzantini (TIB) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie seit 2019 Projektleiter von „Maps of Power“.
Forschungsinteressen:
- Geschichte und Kultur Südosteuropas (7.–16. Jahrhundert)
- Spätbyzantinische Geschichte (1204–1453)
- Historische Geographie und Kartographie des Mittelmeerraumes
- Digital Humanities und Historical Geographic Information Systems (HGIS)
- Kunstschutz in dem Ersten Weltkrieg (mit einem Schwerpunkt auf Südosteuropa)
- Gender Studies (am Beispiel mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Prinzessinnen als Mittlerinnen zwischen dem christlichen und muslimischen Kulturkreis)
- Mittelalterliche Geschichte
Publikationen, seit 2002: 24 Bücher, 131 Artikel, 254 Vorträge (siehe dazu: https://oeaw.academia.edu/MihailoPopovic)
Livestream: https://univienna.zoom.us/j/69844543765?pwd=QLdiFFDilDLoEYadEwLPqGWE3A30Mb.1
Mittwoch, 13. Jänner 2027, 18.30 c.t
Universität Graz, Universitätsplatz 3/II (Hauptgebäude, 2. Stock), Hörsaal 01.2 (hybrid)
Matej Draksler
Ljubljana: The Making of a Medieval Town
This lecture presents the findings of a doctoral dissertation on Ljubljana’s development from the 11th to the late 13th century. Archaeological excavations in the historic centre provide new evidence for understanding the relationship between earlier settlement and planned urban development. Combining stratigraphy, building remains, pottery analysis and radiocarbon dating with written sources, the lecture reconstructs the successive stages of the town’s formation and growth.
The findings suggest that Ljubljana developed through several distinct stages. Stari trg (Altenmarkt) appears to have been an early centre of trade and transport, while Mestni trg (Stadtmarkt) provides the clearest archaeological evidence for planned urban organisation from the mid-12th century onwards. Novi trg (Neumarkt) followed as a planned expansion in the 13th century. Stari trg, meanwhile, remained outside the main process of planned development of the walled urban core for several centuries, developing as a suburb until the 15th century.
Matej Draksler graduated in archaeology from the Faculty of Arts, University of Ljubljana. He has since conducted numerous archaeological investigations across Slovenia, with a particular focus on Ljubljana, encompassing both Roman Emona and the medieval town. He has recently submitted his doctoral dissertation on the beginnings of medieval Ljubljana.
Online-Teilnahme: https://uni-graz.zoom.us/j/67506367177?pwd=d1r6fIdDlLsJXbKAKeTaGlbeGsQoEU.1
Meeting-ID: 675 0636 7177
Kenncode: 606445
